Künstlerin INK stellt Bilder im Hospiz St. Elisabeth Kinzigtal aus

Erinnerungen in feinen Bleistiftstrichen

Zufriedenheit spiegelt sich im freundlichen Blick einer alten Dame in nordhessischer Tracht, Schuster, Metzger oder Korbflechter gehen konzentriert ihrem Handwerk nach, eine Gruppe junger Mädchen genießt eine Hand frischer Heidelbeeren, die sie zuvor im Wald gesammelt haben – Bilder und Erinnerungen aus dem Leben der jungen Grete in der Schwalm. Sie stammen aus der Hand der Künstlerin Ingrid Sonntag-Ramirez Ponce, besser bekannt als INK, und zieren nun bis September die Flure im Hospiz St. Elisabeth Kinzigtal. Unter dem Titel „Erinnerungen – mit gespitztem Stift durch das Jahr einer Kindheit“ sollen die Bilder dabei nicht nur die Augen der Gäste erfreuen, sondern eben auch eigenen Erinnerungen an Kindheit und Jugend wecken. Mit einer Vernissage wurde die Ausstellung am vergangen Freitag feierlich eröffnet.

 2019 vernissage

Für Hospizleiter Frank Hieret sei es eine ganz besondere Freude, Bilder einer international anerkannten Künstlerin in seiner Einrichtung präsentieren zu dürfen, wie er bei der Begrüßung der Vernissage-Gäste feststellte. Dabei sind es nicht nur die Motive, die INK mit unglaublicher Feinheit und Liebe zum Detail zu Papier bringt, die ihm imponieren: „Was mich noch viel mehr beeindruckt, ist die große Empathie, die du unserer Einrichtung entgegen bringst“, stellt er fest. Mit der Ausstellung werde man dabei einmal mehr der Philosophie des Hauses gerecht, dieses mit so viel Leben wie möglich füllen zu wollen. Dazu gehöre auch, Themen wie Tod und Sterben nicht zu tabuisieren.

Auch die Künstlerin freut sich, ihre Arbeiten an diesem ganz besonderen Ort zeigen zu können. Einen Ort, den viel mit ihrer eigenen Arbeit verbinde, wie sie erklärt. Wenn sie jemanden male verbringe sie Stunden, Wochen oder manchmal gar Monate damit, stets bemüht ihrem Gegenüber mit Achtsamkeit, Würde und Zuwendung zu begegnen. „Ich halte die Zeit an für einen einzigen Menschen“, erklärt sie. Eben diese Leidenschaft und große Hingabe für die Menschen finde sich auch in der Arbeit des Hospizes.

Insgesamt 23 Bilder hat Sonntag-Ramirez Ponce für die Ausstellung mitgebracht, viele davon Leihgaben von Brunhilde Miehe, die die Buchreihe über „Grete in der Schwalm“ geschrieben hat, die ebenfalls zur Vernissage erschienen war. Es ist eine Geschichte über ein junges Mädchen, das in den Kriegsjahren aus Kassel auf das Land kommt. Erinnerungen, die viele ältere Menschen teilen können. Und genau darum geht es bei der Ausstellung: „Es geht darum, die Erinnerung der Gäste hier im Hospiz wach zu halten und so Gespräche zu ermöglichen.“ Egal ob Szenen aus dem Schulalltag, der am Spinnrad sitzenden Großmutter oder vom Tanz: die Motive, die INK dabei gewohnt detailreich und voller feiner Einzelheit mit ihrem Bleistift zum Leben erweckt hat, sind ein Spiegel der Vergangenheit. Auch Bilder über Flucht und Krieg sind in der Ausstellung zu sehen. Hierbei hat die Künstlerin bewusst Spielraum für eigene Interpretationen gelassen. Umringt von Taschen und Koffern steht die junge Grete mit ihrer Puppe verlassen da, die Umgebung ist nur mit dünnen Bleistiftstrichen angedeutet. Auf einen konkreten Hintergrund verzichtet die Künstlerin dabei bewusst: „Jeder hat seine eigene Fluchtgeschichte“, erklärt sie. Diesen „Weißt du noch“-Geschichten möchte sie möglichst viel Raum geben. Und schon bei der Vernissage zeigte sich, dass genau dies geschieht: Automatisch gerieten die Betrachter beim Blick auf die verschiedenen Alltagsszenen ins Erzählen, vergleichten ihre Erlebnisse aus unterschiedlichen Regionen miteinander und merkten schnell die große Ähnlichkeit egal aus welchem Teil des Landes sie stammen.

Neben den Bildern aus der Buchreihe runden drei größere Werke der Künstlerin die Ausstellung ab. Noch bis September werden die Bilder im Hospiz zu sehen sein und sicherlich für so manchen Gesprächsstoff bei Gästen und Besuchern sorgen.

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